On tour auf der ModernRE-Konferenz in Berlin

Vom 20. bis zum 22. September 2022 fand in Berlin die ModernRE-Konferenz statt. Diese Konferenz setzt besonderen Fokus auf agiles Anforderungsmanagement und alle zugehörigen Themen. Die Agenda war sehr abwechslungsreich und die Vorträge und Keynotes behandelten die unterschiedlichsten Themen, angefangen bei dem Verhältnis von Mensch und Technik über Beispiele aus der Requirements Engineering-Praxis, dem Umgang mit Scrum und agilen Methoden in Projekten, der Verwendung von KI in der Anforderungsanalyse bis hin zum neuen Berufsbild des Digital Designers.

Ich, Oliver Goetz, war ebenfalls vor Ort und hielt einen Vortrag zum Umgang mit Projekten ohne Requirements Engineer und wie wir als BREDEX sicherstellen, dass auch in diesen Projekten ein angemessenes Maß an Requirements Engineering durchgeführt werden kann. Nachdem ich bereits im letzten Jahr 2021 einen Remote-Vortrag gehalten habe, war es dieses Jahr umso schöner, wieder in Präsenz vor Ort zu sein, denn eine Konferenz lebt einfach von den Begegnungen und den spontanen Ereignissen, die sich in einem Videocall nur schwer nachbilden lassen.

In meinem Vortrag mit dem Titel „Requirements Engineering in Projekten ohne Requirements Engineers“ stellte ich dar, wie wir als BREDEX Projekte ohne Requirements Engineers dabei unterstützen, einen professionellen Umgang mit Anforderungen und deren Erhebung und Management zu erreichen. Die Gründe, warum in manchen Projekten kein Requirements Engineer Bestandteil des Teams ist, sind vielfältig. Jedoch spielt hier meist das Budget bzw. die Größe des Projektes eine Rolle, so dass die Aufgabe des Anforderungsmanagers in den meisten Fällen dem Projektleiter zufällt.

Eines meiner Ziele für den Bereich Requirements Engineering wie auch für die gesamte Firma ist die Erhöhung des Reifegrades in Bezug auf den Umgang mit Anforderungen. Dieser Reifegrad lässt sich anhand der jeweiligen Ausprägungen der drei Dimensionen Dokumentation, Traceability und RE-Prozess messen.

RE-ReifegradDokumentationTraceabilityRE-Prozess
0: UnvollständigGar keine oder unvollständigNicht vorhandenWeder vorgegebener noch gelebter Prozess
1: UnstrukturiertKomplette DokumentationAuf Basis einzelner BegriffeUndefinierter, aber „eingespielter“ Prozess
2: StrukturiertVerwendung einheitlicher VorlagenAuf Basis von IDsDefinierter, aber kaum gelebter Prozess
3: SystematischQualitätsüberprüfung einzelner Anforderungen, Verwendung von AnforderungsschablonenDurch Explizite VerknüpfungenDefinierter, gelebter Prozess
4: BeherrschbarVerwendung von Satzmustern und/oder UMLUnterstützt durch ModellzusammenhängeDefinierter und anpassbarer Prozess
5: OptimiertVerwendung von formalen Modellierungs- oder SpezifikationssprachenSemi-automatisch und aktiv gepflegtDefinierter Prozess, der kontinuierlich optimiert wird

Tabelle selbst erstellt nach Fockel, M.; Holtmann, J.; Koch, T.; Schmelter, D.: Requirements Engineering – Zusatzaufgabe oder Kernkompetenz. In: OBJEKTspektrum 02/2016

Hier ist es das mittelfristige Ziel, dass alle unsere Projekte das Level 3: Systematisch erreichen. Für Projekte, die einen Requirements Engineer bereits zugeordnet haben, sind die Kriterien im Regelfall erfüllt, doch Projekte ohne Requirements Engineer tendieren eher zu den Reifegraden 1 und 2. Die Verbesserung in den Teilbereichen und die damit einhergehende Erhöhung des Reifegrades ist ein kontinuierlicher Prozess und wird in der Regel nicht von einem Tag auf den anderen erreicht. Zur Unterstützung dieses Prozesses bieten wir mehrere Hilfestellungen sowohl firmenweit als auch projektspezifisch an.

Das erste firmenweite Angebot ist die Bereitstellung firmenweiter Standards an alle Mitarbeiter u.a. zu den Themen Anforderungsdokumentation (z.B. Satzschablonen, Checklisten), Anforderungserhebung (z.B. Template für einen Anforderungsworkshop, Fragebögen für verschiedene Gelegenheiten, Vorlagen zur Organisation von Workshops) oder Anforderungsmanagement (Vorlagen zu Jira-Struktur und Workflows. Die Standards sind bewusst kompakt und übersichtlich gehalten, damit sie leicht zu verwenden sind.

Das nächste projektspezifische Angebot stellt die Durchführung eines Anforderungs-Kickoffs dar. Hier werden noch vor Projektbeginn die wichtigsten Prozesse, Stakeholder, Ziele, Anwendungsfälle und Anforderungen zusammen mit dem Kunden in einem Zeitrahmen von etwa drei Tagen erarbeitet. Die Ergebnisse stellen anschließend die Basis für die Arbeit des Projektes dar.

Ein weiteres firmenweites Angebot ist die verpflichtende Teilnahme an einer hausinternen Schulung zum Thema Requirements Engineering. Dabei orientieren wir uns an dem Lernplan IREB CPRE-FL, behandeln die Inhalte jedoch stark verkürzt und versuchen, soviel praktische Erfahrungen einfließen zu lassen wie möglich. Zielgruppe für die Schulung sind vor allem die Projektleiter, da diese häufig Aufgaben aus dem Requirements Engineering übernehmen. Das verfolgte Ziel ist es, bei allen Teilnehmern das Bewusstsein für Requirements Engineering zu schärfen und dabei zu helfen, im Projektalltag bestimmte Situationen wiederzuerkennen, damit diese dann mithilfe der Standards oder unter Einbeziehung eines Requirements Engineers bearbeitet werden können.

Das letzte hier zu erwähnende projektspezifische Angebot ist die Möglichkeit, ein Projekt Coaching wahrzunehmen. So können Projekte nach vorheriger Absprache die temporäre Unterstützung (ca. 4 – maximal 16 Stunden) eines Requirements Engineers anfordern, der sich die Prozesse, Workflows und die Dokumentation der Anforderungen mit den Projektbeteiligten genauer anschaut und Hinweise zu möglichen Verbesserungen gibt.

Wenn Sie Unterstützung in einem Ihrer Projekte im Umgang mit Anforderungen benötigen oder Fragen zu der dargestellten Vorgehensweise zur Erhöhung des Reifegrades haben, freue ich mich, wenn Sie unter re@bredex.de mit mir Kontakt aufnehmen.

Oliver Goetz, Head of Requirements Engineering 

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