Auf welcher Höhe fliegt der Projekt-/Teamleiter?

Als Projektleiter steht man ständig vor der Entscheidung auf welcher abstrakten Flughöhe zum Projekt man reisen sollte. Um diese Metapher zu verdeutlichen betrachten wir die beiden Extrema:

Auf Bodenhöhe

Projektleiter, die auf Bodenhöhe fliegen, sehen jeden  Grashalm und jedes Staubkorn. Oft bedeutet dies eine sehr hohe Detailorientierung. Der Projektleiter möchte in allen Entscheidungen involviert sein, von Designentscheidungen für die Oberfläche, bis zu Implementierungsdetails auf Quellcode Ebene. In diesem Fall spricht man auch oft von Micro-Management.

Die größte Gefahr hierbei besteht darin, dass der Blick für das Ganze verloren geht, weil das verfügbare Zeitbudget ab einer gewissen Projektgröße schlicht nicht mehr ausreichend ist, um in alle Details involviert zu sein. Es gibt eine offensichtliche Lösung, um Flughöhe zu gewinnen:

  • Vertrauen auf das Team
  • Loslassen können
  • Delegieren

Über den Wolken

Fliegt der Projektleiter über den Wolken, so ist das Wetter immer schön. Leider weiß man dann selten, wie das Wetter weiter unten ist. In so einem Fall ist der direkte Kontakt zum Team oft abgerissen und Kommunikation findet hauptsächlich über Ticket- Systeme statt. Bei Technik oder Architektur-Entscheidungen wird der Projektleiter nicht mehr hinzugezogen oder, noch schlimmer, kann aufgrund von mangelhaftem Wissen nicht mehr helfen. Um diese Reiseflughöhe wieder zu verlassen, sind einige Lösungen denkbar:

  • Direkte Kommunikation (Face2Face)
  • Gelegentliche Teilnahme an Code-Reviews oder Pair Programmierung
  • Kontinuierliche technische Fortbildung

Oft ist gerade das Absinken deutlich schwieriger, weil hierbei Defizite und fehlendes Wissen beim Projektleiter wieder aufgearbeitet werden müssen.

Die perfekte Flughöhe?

Wo liegt also die perfekte Flughöhe, der optimale Grad der Involvierung in Details? Meiner Meinung nach variiert die perfekte Flughöhe je nach Wetter / Situation. Ist das Wetter schön, kann man gerne für eine gewisse Zeit aufsteigen. Es kann dabei helfen einen Blick auf die Produktvision und die weitere Zukunft zu werfen. Man muss sich jedoch von Zeit zu Zeit zwingen die „bequeme“ Reisehöhe zu verlassen, um wieder direkt im Projekt involviert zu sein. Das regelmäßige „Hände schmutzig machen“ hilft den direkten Kontakt zu den Entwicklern zu halten und Probleme evtl. frühzeitig zu erkennen.

Interessanterweise führt hier ein Fehlverhalten des Projektleiters nicht automatisch zu einem Scheitern des Projektes. Oft ist es so, dass erfahrene Seniorentwickler von sich aus die Rolle des „Entwicklungschefs“ einnehmen, wenn sie merken, dass der Projektleiter seine Zeit über den Wolken verbringt. Das führt dann zu Aussagen im Team wie: „Wofür brauchen wir eigentlich Person XYZ (den Projektleiter)?“

Zum Glück fliegt der Projektleiter hoch genug, um das nicht zu hören…

Kontakt-Icon